In Startups investieren war lange Business Angels vorbehalten. Plattformen wie Companisto und Invesdor öffnen diese Anlageklasse ab 250 Euro für Privatanleger. Der Prüfstand zeigt, wie beide funktionieren, was Anleger realistisch erwarten dürfen und warum die Spielregeln hier völlig anders sind als bei P2P-Krediten.
Companisto: der Berliner Platzhirsch
Companisto ist seit 2012 aktiv und hat sich vom reinen Crowdinvesting-Portal zum Angel-Netzwerk entwickelt. Privatanleger beteiligen sich an ausgewählten deutschen Startups, meist über Wandeldarlehen oder echte Eigenkapitalrunden. Ein Sekundärmarkt ermöglicht gelegentliche Verkäufe vor dem Exit. Die Auswahlquote ist streng, trotzdem gilt: Von zehn Startups scheitern mehrere, die Rendite bringen ein oder zwei Ausreißer.
Invesdor: Startups und Mittelstands-Anleihen
Invesdor entstand aus der Fusion mehrerer europäischer Plattformen, darunter das deutsche Kapilendo. Neben Startup-Beteiligungen vermittelt der Anbieter festverzinste Unternehmensanleihen etablierter Mittelständler mit 4 bis 10 Prozent Kupon. Das macht Invesdor zum Hybrid: ein Teil Wette auf Wachstum, ein Teil planbarer Zinsertrag, beides unter einer europäischen ECSP-Zulassung.
Die zwei im Prüfprotokoll
| Merkmal | Companisto | Invesdor |
|---|---|---|
| Fokus | Startups, Angel-Runden | Startups + KMU-Anleihen |
| Mindestanlage | 250 € (Club teils höher) | 250 € |
| Renditeprofil | offen, Exit-abhängig | 4-10 % bei Anleihen |
| Zweitmarkt | ja, eingeschränkt | nein |
| Risiko | Totalverlust pro Startup möglich | hoch bis mittel |
Realistische Erwartungen statt Einhorn-Träume
Startup-Portfolios funktionieren nach dem Streuungsprinzip: Wer zehn Beteiligungen hält, braucht einen erfolgreichen Exit, um die Ausfälle zu kompensieren. Exits dauern oft fünf bis zehn Jahre, Ausschüttungen dazwischen sind selten. Wandeldarlehen und Nachrangklauseln bedeuten zudem: Im Insolvenzfall steht die Crowd hinten an. Diese Anlageklasse gehört deshalb ans spekulative Ende des Depots, nicht in seine Mitte.
Worauf man vor der Zeichnung schaut
Drei Unterlagen entscheiden über die Qualität einer Startup-Runde: das Term Sheet mit Bewertung und Verwässerungsschutz, die Finanzplanung mit dem Kapitalbedarf bis zur nächsten Runde und der Cap Table, also die bisherige Eigentümerstruktur. Eine Bewertung, die ein Vielfaches des Umsatzes beträgt, ist bei frühen Runden normal, sollte aber zur Wachstumsgeschichte passen. Warnsignale sind Runden, die vor allem alte Löcher stopfen, und Gründer ohne eigenes finanzielles Risiko. Beide Plattformen stellen die Unterlagen vor der Zeichnung bereit, gelesen werden müssen sie trotzdem selbst. Wer sich die Mühe nicht machen will, sollte diese Anlageklasse schlicht auslassen, denn hier gibt es keine Rückkaufgarantie, die Nachlässigkeit auffängt.
Einordnung im Markt
Wer planbare Zinsen sucht, ist bei Kreditplattformen wie Debitum oder Viainvest besser aufgehoben. Immobilienfans finden bei Bergfürst, Zinsbaustein und Dagobertinvest festverzinste Alternativen. Die Gesamtübersicht liefert unser Crowdfunding-Vergleich 2026.
Häufige Fragen
Wie funktioniert Companisto? Anleger beteiligen sich ab 250 Euro an geprüften Startups, meist über Wandeldarlehen. Gewinne entstehen bei Exits, also Verkäufen oder Börsengängen.
Was kostet Companisto? Für Anleger fallen je nach Runde geringe oder keine Direktgebühren an, die Plattform verdient überwiegend über Provisionen von den Startups und ein Carried Interest am Gewinn.
Was ist der Companisto Sekundärmarkt? Ein interner Handelsplatz, auf dem bestehende Beteiligungen zwischen Anlegern den Besitzer wechseln können, allerdings ohne Liquiditätsgarantie.
Fazit
Companisto und Invesdor machen Startup-Investing professionell zugänglich, ändern aber nichts an seiner Natur: wenige Gewinner, viele Ausfälle, lange Haltedauern. Wer maximal 5 bis 10 Prozent des Depots einsetzt und breit streut, kann die Renditechance mitnehmen. Den stabilen Rest des Portfolios bauen die Zins-Plattformen aus unserem Prüfstand.